Einer alten Makler-Weisheit zufolge sind drei Dinge für den Wert einer Immobilie entscheidend: Lage, Lage, Lage. Insbesondere die Erreichbarkeit von Angeboten der alltäglichen Daseinsfürsorge wie Supermarkt, Apotheke, Hausarzt oder Grundschule ist dabei wichtig. Doch wie gut ist es darum in Deutschland bestellt? Eine interaktive Karte gibt jetzt interessante Einblicke hierzu.
Bonn. Rund drei Viertel der Bevölkerung leben bundesweit in einer Entfernung von maximal einem Kilometer vom nächsten Supermarkt, Hausarzt oder der nächsten Grundschule. Die nächste Apotheke ist immerhin für 67 Prozent der Bevölkerung höchstens einen Kilometer weit weg. Zugleich haben 96 Prozent der Haushalte eine Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in weniger als einem Kilometer Entfernung. Das hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) jetzt ausgerechnet.
Dabei zählten die Forscher auch Discounter als Supermärkte mit. „Grundlage der Analysen ist ein rasterbasiertes Entfernungsmodell in einem Geoinformationssystem“, erklären sie in einer Pressemitteilung. „Das BBSR ermittelt die Wege zwischen den Wohnstandorten der Bevölkerung und den jeweiligen Versorgungsangeboten in einem Raster von 100 mal 100 Metern.“ Die Auswertung zeigt zugleich, dass es bei der Erreichbarkeit von Einrichtungen der alltäglichen Daseinsfürsorge große regionale Unterschiede gibt.
Grundsätzlich ergibt sich ein erhebliches Stadt-Land-Gefälle: „Mit sinkender Einwohnerdichte sowie abnehmender Größe und Zentralität einer Stadt oder Gemeinde werden die Wege zu den untersuchten Angeboten länger“, berichtet das BBSR. Entsprechend sinke der Anteil der Menschen, die zu Fuß zu diesen Angeboten gelangen können. Mit Zentralität meinen die Forscher dabei, wie wichtig ein Ort als Versorgungszentrum für die Menschen in der Umgebung ist. In den Großstädten sind kurze Fußwege zur Nahversorgung meist gegen.
Nahversorgung: Regionale Unterschiede erheblich
„In Kleinstädten erreicht – abhängig von ihrer Größe – ein Drittel beziehungsweise knapp die Hälfte der Bevölkerung alle fünf untersuchten Angebote zu Fuß“, schreibt das BBSR. „In Landgemeinden liegt dieser Anteil dagegen bei durchschnittlich rund 18 Prozent.“ Als Landgemeinden verbucht das BBSR dabei kleinere Gemeinden, welche keine oder nur eine geringe Versorgungsfunktion für ihr Umland übernehmen. Innerhalb dieser Gruppe von Ortschaften zeigen sich jedoch wiederum deutliche Unterschiede.
Das BBSR hat dazu ausgerechnet: „Rund 14 Prozent der Bevölkerung erreichen keines der fünf Angebote innerhalb eines Kilometers. Weitere 29 Prozent erreichen nur eines – meist eine Haltestelle des öffentlichen Verkehrs.“ Wie oft von dieser Haltestelle ein Verkehrsmittel abfährt, wurde gleichwohl nicht näher untersucht. Zugleich gibt es große Unterschiede zwischen Ost und West: In westdeutschen Landgemeinden beträgt die Entfernung zum Supermarkt im Schnitt gute zwei Kilometer, in ostdeutschen Landgemeinden sind es drei.
Interaktive Karte informiert über Nahversorgung
Zu stark verallgemeinern darf man diese Erkenntnisse allerdings nicht: So gibt es auch in großen Städten mitunter Versorgungslücken in einzelnen Stadtbereichen. So hat das BBSR festgestellt, dass auch in den Großstädten nur 84 Prozent der Bevölkerung alle fünf untersuchten Angebote der alltäglichen Daseinsfürsorge in fußläufiger Entfernung vorfinden. Andererseits können auch Kleinstädte und Landgemeinden mitunter eine gute Nahversorgung für ihre Einwohner bieten, wie das BBSR festgestellt hat.
Eine gute Erreichbarkeit von Angeboten der Nahversorgung bedeutet ein großes Stück Lebensqualität. Sie ist damit ein wichtiger Standortfaktor für die Wahl des Wohnortes und hat damit erheblichen Einfluss auf den Wert und die Vermietbarkeit von Wohnimmobilien. Daher ist es für alle Akteure am Wohnungsmarkt interessant, dass das BBSR seine Ergebnisse in einer interaktiven Karte zusammengetragen hat: Dort kann man sich näher über die Verfügbarkeit der Nahversorgung überall in Deutschland informieren.
Hier geht es zur interaktiven Karte „Indikatoren zur Nahversorgung“.
Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Ruhr verfasst.
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