Wohngeld: Mehr Empfänger, höhere Ausgaben – kommen Kürzungen?

Wohngeld: Mehr Empfänger, höhere Ausgaben – kommen Kürzungen?

Das Wohngeld unterstützt einkommensschwächere Mieter, aber auch selbstnutzende Eigentümer dabei, ihre Wohnkosten zu stemmen. Alle zwei Jahre werden die Leistungen an die Entwicklung von Mieten und Preisen angepasst. Das hat zuletzt zu steigenden Empfängerzahlen und Ausgaben geführt. Die Bundesregierung plant, dagegen mit Kürzungen vorzugehen, der Bundesrat kritisiert das.

Reform geplant: Fällt der nächste Wohngeldbescheid für viele Empfänger kleiner oder sogar ganz aus?

Das Wohngeld unterstützt einkommensschwächere Mieter, aber auch selbstnutzende Eigentümer dabei, ihre Wohnkosten zu stemmen. Alle zwei Jahre werden die Leistungen an die Entwicklung von Mieten und Preisen angepasst. Das hat zuletzt zu steigenden Empfängerzahlen und Ausgaben geführt. Die Bundesregierung plant, dagegen mit Kürzungen vorzugehen, der Bundesrat kritisiert das.

Wiesbaden/Berlin. Zum Ende des Jahres 2025 haben 3,2 Prozent der Haushalte in Deutschland Wohngeld bezogen. Das waren etwa 90.000 Haushalte mehr als im Vorjahr, was einem Anstieg um 7,2 Prozent entspricht. Im Schnitt hatten die insgesamt rund 1,3 Millionen Wohngeld-Haushalte einen Wohngeldanspruch von 296 Euro im Monat – das waren 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg sowohl des durchschnittlichen Wohngeldanspruchs als auch der Empfängerzahl führte dazu, dass die Ausgaben der öffentlichen Hand für das Wohngeld letztes Jahr um 6,4 Prozent auf knapp 5 Milliarden Euro anwuchsen.

Diese Bilanz vermeldete das Statistische Bundesamt am Freitag (25. September 2026). „Damit erreichten sowohl die Zahl der Wohngeldhaushalte als auch die Wohngeldausgaben ihre höchsten Werte seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005“, stellte die Behörde fest. Grund für den Anstieg: Das Wohngeld wird alle zwei Jahre an die Entwicklung der Mieten und die Inflation angepasst. Das führte zuletzt zum 1. Januar 2025 zu einer Erhöhung, welche nicht nur den Anspruch der einzelnen Wohngeldhaushalte vergrößerte, sondern auch dazu führte, dass mehr Haushalte überhaupt einen Anspruch auf Wohngeld bekamen (wir berichteten).

Wohngeld: Bundesrat stellt sich gegen Kürzungspläne

Um die steigenden Kosten für das Wohngeld einzufangen, plant die Bundesregierung aktuell massive Einschnitte. Die turnusgemäße Erhöhung soll ausgesetzt und die Heizkostenkomponente halbiert werden. Außerdem möchte die Bundesregierung die Berechnungsformel so anpassen, dass rund ein Drittel der Haushalte aus dem Wohngeldanspruch herausfällt. Zudem sollen Haushalte an der Einkommensgrenze, die bislang nur 50 bis 60 Euro Wohngeldanspruch im Monat haben, künftig gar nichts mehr bekommen. Die Regelungen sollen allein für neu zu erteilende Bescheide gelten.

Durch die Reform sollen 2027 rund 1,5 Milliarden und ab 2028 rund 2 Milliarden Euro jährlich eingespart werden. Allerdings ist der Bundesrat mit der geplanten Reform nicht einverstanden. Die Länderkammer debattierte den Entwurf am Freitag (25. September 2026) und beschloss eine Stellungnahme an die Bundesregierung. Darin kritisierte der Bundesrat vor allem das Aussetzen der Wohngeldfortschreibung und die Halbierung der Heizkostenkomponente. Dadurch würden einkommensschwache Haushalte stark finanziell getroffen, mit der Folge, dass mehr Haushalte auf Grundsicherung angewiesen wären.

Nicht nur Mieter: Wer sind die Wohngeld-Empfänger?

Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Bundesregierung und anschließend der Bundestag zu den Einwänden der Länder positionieren. Unterdessen zeigt die amtliche Statistik auf, wen das Wohngeld besonders unterstützt: 82 Prozent der Wohngeldhaushalte waren 2025 Mieter, welche das Wohngeld in Form eines Mietzuschusses erhielten. Bei 10 Prozent handelte es sich um Heimbewohner. Immerhin 7 Prozent der Wohngeldhaushalte waren selbstnutzende Eigentümer, welche den sogenannten Lastenzuschuss beziehen, um ihr Wohneigentum halten zu können.

Dabei zeigte sich, dass es sich bei 51 Prozent der Wohngeldbezieher um Ruheständler-Haushalte handelte – als solche zählt das Statistische Bundesamt Haushalte, in denen die Haupteinkommensperson Rente oder Pension bezieht. Zu 85 Prozent lebte in diesen Haushalten allerdings nur eine alleinstehende Person im Ruhestand. Die andere große Empfängergruppe waren mit einem Anteil von 39 Prozent Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren. Allerdings gab es große regionale Unterschiede. In Westdeutschland kamen die Ruheständler auf einen Anteil von 47 Prozent, im Osten dagegen auf 63 Prozent.

Umgekehrt machten Haushalte mit Kindern in Westdeutschland einen Anteil von 43 Prozent der Wohngeldhaushalte aus, im Osten sind es nur 27 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern bezogen letztes Jahr 5,8 Prozent der Haushalte Wohngeld, so viel wie in keinem anderen Bundesland. In Bayern war die Quote dagegen mit 1,9 Prozent bundesweit am kleinsten. „Der Anteil beim Bezug des Lastenzuschusses für Wohneigentümerinnen und -eigentümer lag in Berlin und Hamburg jeweils bei unter 2 Prozent aller Haushalte, im Saarland bei 14 Prozent und in den übrigen Bundesländern zwischen 5 Prozent und 11 Prozent“, ergänzte das Statistische Bundesamt.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Ruhr verfasst.

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